Kategorie Archiv Orthopädie

Arzt-Patient-Dialog fördern

Zu Beginn einer Informationsreihe vom Ärztenetz Unterhaching und der vhs Unterhaching referierte der Orthopäde Dr. Siegfried Götte über das Arzt-Patient-Verhältnis am Beispiel der Osteoporose.

Die Bedeutung des medizinischen Informationsaustauschs zwischen Arzt und Patient hat Dr. Siegfried Götte, zweiter Vorsitzender des Unterhachinger Ärztenetzes, am 23. März in den vhs-Räumen im Hofmarkweg erläutert. Zum Auftakt einer Informationsveranstaltungsreihe des Ärztenetzes Unterhaching und der vhs, die zweimal pro Halbjahr stattfindet, ging der Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie auf chronische Erkrankungen und Osteoporose ein.

Die Osteoporose wird zu selten diagnostiziert

Chronische Erkrankungen wie die Osteoporose nehmen im Alter zu. Oft leiden Patienten zudem an mehreren Erkrankungen. Dies ist eine große Bürde für den Betroffenen, aber auch für das Gesundheitssystem. Denn chronische Erkrankungen verursachen 80 Prozent der Kosten und nehmen aufgrund der älter werdenden Gesellschaft zu. „Wenn keine Abstriche in der Versorgung erfolgen sollen, gilt es, die bisher sehr gute Versorgung in Deutschland, insbesondere vor Ort, weiter zu  verbessern, die medizinischen Kapazitäten und Kompetenzen zu nutzen und zu stärken“, sagte Dr. Götte.

Ein markantes Beispiel für eine falsche und unzureichende Versorgung ist die Osteoporose. Von den fast 8 Millionen Betroffenen wird nur die Hälfte diagnostiziert. Davon werden wiederum nur 10% korrekt behandelt. Bei vielen Patienten wird eine Behandlung begonnen, aber diese ist nicht ausreichend oder wird vorzeitig beendet.

Der langsame Verlust an Knochenmasse führt in Deutschland zu über 330.000 Knochenbrüchen im Jahr. Für das Gesundheitssytem entstehen dadurch Kosten von 9,1 Milliarden Euro.
Auch für Patienten sind die Folgen schwerwiegend. Ein besonders schwerer Schicksalsschlag sind Hüftfrakturen, wie die Daten  zeigen: 20 Prozent der Patienten sterben im ersten Jahr nach der Fraktur, bei 30 Prozent bleibt eine Invalidität, 40 Prozent sind allein ohne Hilfe gehfähig und 80 Prozent können mindestens eine Alltagsaktivität nicht selbst durchzuführen.

Osteoporose ist gut behandelbar

Dabei sind in den letzten 20 Jahren hochwirksame Medikamente entwickelt worden, die diese Entwicklung sicher aufhalten können. Aber sie werden einfach zu selten eingesetzt. Es bedarf eines schärferen Bewusstseins für diese Erkrankung: Risikofaktoren müssen vom Hausarzt konsequent erfasst werden, bei Risikopatienten muss eine Knochendichtemessung (DXA-Osteodensitometrie) die Diagnose sichern. Kontinuierliche Verlaufskontrollen, Aufklärung und Beratung zu knochen-freundlicher Ernährung, Anleitung zu Muskelaufbau und Bewegung sind wichtige Grundpfeiler der Therapie. Die Umsetzung gelingt nur, wenn alle Beteiligten – Patienten, Ärzte, Physiotherapeuten – intensiv zusammenarbeiten.